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Star Trek: Deep Space Nine | "Der Abgesandte, Teil 1" ("Emissary, Part I")


Bewertung geschrieben am 26.02.2011 von Dennis Wicket

Note 1Ausgezeichneter Einstieg

Also dann. Die Folge beginnt mit den Borg - um genauer zu sein mit Wolf 359 - und im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, dass das hier dem Anfang einfach nur einen gewissen Pepp verleihen sollte (was sicherlich nicht ganz unrichtig ist), steckt da noch einiges mehr dahinter. Vor allem ist diese Szene wichtig, um dem Charakter des Commander Sisko einen ersten Rahmen zu geben, was später auch von Bedeutung sein wird, wenn er auf Picard trifft. Aber einen Schritt nach dem anderen.

Bevor ich weiter auf die Szene eingehe, sei gesagt, dass ich versuchen möchte, die Folge nicht rückblickend zu betrachten, ich lasse es also mal unerwähnt, wie ironisch es eigentlich ist, dass hier „der Sisko“ auf die Borg trifft, die destruktivste Macht, die der Föderation bekannt war, bis… Nun ja, bis Voyager. Wer die Ironie dahinter nicht versteht, möge sich nochmal mit der Entwicklung von Sisko im Verlauf der Serie und der guten alten Saratoga beschäftigen. Damit ist nun nicht das eine Schiff gemeint, sondern die ganze Reihe an Saratogas, die im Verlauf der Serien und Filme… Na schaut selbst.

Aber zurück zur Sache. Dieser „Prolog“ dient, wie bereits erwähnt, vor allem der Einführung von Benjamin Sisko, dem ersten farbigen Kommandanten in der Geschichte von Star Trek, der mehr als nur 2 Sätze sprechen oder durchdrehen durfte. Wie positiv das zu bewerten ist, muss ich wohl nicht extra sagen, aber erwähnt werden sollte es schon. Jedenfalls zu dem, was dieser Prolog eigentlich so alles mit sich bringt:

Als erstes dient das Auftreten der Borg natürlich als Erinnerung daran, welche Bedrohung sie eigentlich darstellen, diese massive, destruktive Kraft, gegen die selbst die Föderation machtlos ist, was sie mehr verändert hat, als jeder vorangegangene Krieg zuvor. Ich spreche seit „Best of Both Worlds“ (TNG 3x26) gerne von einer Prä- und Post-Wolf-359-Sternenflotte. War die Sternenflotte zwischen ST VI und dem Auftreten der Borg überspitzt ausgedrückt nur eine Bande von Hippies, die fröhlich die Flower-Power im Weltraum verteiltet haben, wurde sie mit Wolf 359 gewahr, dass es dort draußen auch Mächte gibt, die auf die Föderation wie Insekten herabblicken und kein Problem damit hätten, sie innerhalb kurzer Zeit unter ihrem intergalaktischen Stiefel der Teilnahmslosigkeit zu zerquetschen. Ich spreche hier bewusst von „Teilnahmslosigkeit“ und nicht vom „Bösen“, weil die Borg meiner Meinung nach nicht unbedingt böse sind… Doch das würde den Rahmen dieser Bewertung sprengen.

Für Sisko ist diese Szene aber natürlich umso wichtiger, wird er hier doch mit dem Tod seiner Frau konfrontiert. Auch das spiegelt die Veränderung der Föderation in gewissem Maße wieder, brachte er doch seine Familie mit an Bord, weil er das Schiff für sicher hielt, nur um einen wichtigen Teil seiner Selbst zu verlieren. Und nicht einfach nur zu verlieren, nein, sie verlor ihr Leben für nichts. Man möchte nun sagen, dass sie bei der Verteidigung ihrer Heimat starb, doch diese möchte-gern-Romantik des Krieges ist absoluter Quatsch. Die Borg kamen, sahen und siegten… Und hatten nicht einmal einen Kratzer davongetragen. Sie flogen weiter, völlig unbekümmert von den 11.000 Toten... Und die flüchtenden Sternenflottenoffiziere und Zivilisten, darunter auch Sisko, würden niemals mehr dieselben sein.

Das ist auch letztendlich ein wesentlicher Bestandteil dieser Doppelfolge, nämlich zu zeigen, wie Sisko langsam lernt, mit dem sinnlosen Tod seiner Frau umzugehen. Gerade sein Sohn Jake diente dazu, Siskos Charakter in dieser Hinsicht weitergehend zu beleuchten, aber auch das ist etwas, was nicht ganz so offensichtlich ist.

Weiter im Text, um genau zu sein 3 Jahre weiter. Man wird mit den Bajoranern und einer vollkommen verwüsteten cardassianischen Station konfrontiert, die nun von den Bajoranern übernommen wurde und von der Föderation verwaltet werden soll. Erneut beleuchtet beides einen Teil der Föderationspolitik, der aus heutiger Sicht fragwürdig wäre, aus Sicht der Föderation aber durchaus Sinn macht. Die Bajoraner wurden über die letzten Jahrzehnte hinweg auf brutalste Weise von den Cardassianern versklavt und misshandelt, alles Dinge, worüber sich die Föderation bewusst war, jedoch nichts dagegen unternommen hatte (mal von politischem Druck abgesehen), denn schließlich war dies eine bajoranisch-cardassianische Angelegenheit. Erst als die Cardassianer sich zurückzogen, kam die Föderation und bot ihre Unterstützung an, ein Umstand, der über den weiteren Verlauf der Serie entscheidend für die Abneigung der Bajoraner gegenüber der „über den Dingen stehenden“ Föderation sein würde. Wieso die Cardassianer sich nun zurückgezogen haben, wurde nie ganz klar. Manche Charaktere behaupteten, es lag daran, dass Bajor keine Ressourcen mehr hatten, andere, dass die Cardassianer es sich einfach nicht mehr leisten konnten… Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dies eine Folge der Ereignisse von „Chain of Command“ (TNG 6x10) war, sicher kann man aber – wie gesagt – nicht sein.

Sicher ist jedoch die Tatsache, dass diese Episode derart viele Aspekte der Föderation beleuchtet, wie nur wenige andere zuvor. Und das nicht durch direkte Stellungnahme, nein, sondern durch die subjektive Betrachtung eines kleinen, unbedeutenden Volkes, irgendwo im Nirgendwo: Den Bajoranern. Denn wer könnte es ihnen verübeln, kein Vertrauen in eine Nation zu haben, die zwar ihre Ideale verkündet, letztendlich aber nie etwas tut, um diese auch für andere zugänglich zu machen. An sich war die Föderation von TNG immer das Anti-Amerika, man mischt sich grundsätzlich nicht in externe Ereignisse ein, selbst wenn Menschen litten und die politischen Folgen für die Föderation untragbar sein würden. So war das Gefühl der Bajoraner, einen Unterdrücker gegen den nächsten zu tauschen, gar nicht mal so unverständlich, wie man vielleicht denken mag. Aber auch das würde den Rahmen dieser Bewertung sprengen.

Was wirklich toll ist, ist die Tatsache, dass diese ganzen Probleme über die gesamte Serie hindurch spürbar sein würden und man sie nicht innerhalb von 3 Folgen ad acta gelegt haben würde… So wie in der darauffolgenden Serie mit einer gewissen Gruppe von „Terroristen“.

Ganz interessant ist darüber hinaus, dass auch hier die Tradition zum Tragen kommen würde, dass die vorangegangene Serie die Fackel an die neue übergibt: Bei TNG war es TOS (McCoy), bei DS9 nun TNG (Picard, O'Brien und die Enterprise), später bei Voyager DS9 und bei ENT… Nun ja, Traditionen sind ja dazu da, um gebrochen zu werden.

Im Folgenden werden die übrigen Hauptcharaktere auf ganz interessante Art und Weise vorgestellt, nämlich so, dass es auch etwas zur Story beiträgt. Man bemerkt sofort, dass es von Anfang an Konflikte gibt, ganz anders als bei TNG. Man kann nun natürlich sagen, dass TNG darauf verzichtet hat, weil wir Menschen ja über uns hinausgewachsen sind (was auch die offizielle Begründung von Roddenberry war), aber mal ehrlich… Wenn das nicht nach unrealistischer Flower-Power roch, weiß ich auch nicht weiter. Und versteht mich nicht falsch, TNG ist und bleibt mein Favorit, das heißt aber nicht, dass man dem nicht kritisch gegenüber stehen kann… Selbst First Contact (ST VIII) hat das offen getan.

Es geht nun über O’Brien (endlich als Hauptcharakter, selbst wenn er irgendwie vom Offizier zum Warrant Officer und später zum Unteroffizier degradiert wurde), Kira, Odo, Quark und… Juhu, Picard. Dass ich hier „juhu“ sage, liegt daran, dass die Szene, in der Sisko auf Picard trifft, derart wichtig für das weitere Verständnis seines Charakters ist, dass man ohne sie wohl gar nicht begreifen kann, wieso Vergleiche zwischen Picard und Sisko eigentlich sinnlos sind.

Die Szene dient zwei Zwecken: Zum einen beleuchtet sie die Situation der Bajoraner etwas tiefergehend, zum anderen zeigt sie den Kontrast zwischen Sisko und Picard auf. Picard, der Idealist, der mit all seinen Prinzipien auf das Geschehen herabblickt, von ihnen dazu gezwungen, zuzuschauen, bis er nun endlich die Gelegenheit hat, etwas zu tun… Und Sisko, der auf den ganzen Kram eigentlich keine Lust hat und den Glatzkopf als einen arroganten, naiven Sack sieht, der sich hinter seinen Idealen versteckt und keinen Sinn mehr für die Realität hat. Hier dienen auch die Borg als Mittel zum Zweck, um dies zu bekräftigen.

Wie gesagt, die beiden bilden einen riesen Kontrast, was jedoch nicht heißt, das das eine schlechter als das andere ist, sie sind einfach verschieden: Und das ist auch gut so. Während Picard eher als edler Ritter auftritt, zeigt sich Sisko als… Nun, als normaler Mensch, der nichts dagegen hat, sich die Hände schmutzig zu machen.

Um diesen Kontrast zu verstärken, wird eine weitere Szene eingebaut: Nämlich die, in der Sisko Quark erpresst, damit er auf der Station bleibt. Er weiß, was getan werden muss, hat keine Ideale, die ihm im Weg stehen und… Tut es eben. Und das ist vermutlich auch der Grund, warum gerade er diesen Posten auf Deep Space Nine bekommen hat, denn mal ehrlich, der Großteil der Föderationskommandanten sind einfach Idealisten… Nicht so edel wie Picard, aber trotzdem Idealisten. Und das schließt auch Janeway mit ein, selbst wenn sie sich im Verlauf der Serie zu einer ziemlich nervigen Kuh entwickelt.

Da kann ich auch gleich zugeben, dass weder Picard, noch Janeway in der Lage gewesen wären, diese Situation zu meistern. Beide sind ausgezeichnete Offiziere (Janeway ist ja eh ein wandelndes Lexikon), doch keiner von ihnen weiß, wie man sich in diesem Sinne die Hände schmutzig macht, denn sie sind es einfach gewohnt, mit Offizieren und zivilen Angestellten (aka Crewmen) zusammenzuarbeiten.

Gehen wir über Kira, ein paar dreckige Wrackteile, den Weihnachtsmann und… Kai Opaka. Auf die Szene mit ihr und dem Drehkörper gehe ich nicht weiter ein, da sie zwar wieder Sisko weiter beleuchtet und erstmalig das Wurmloch erwähnt, ansonsten aber nur nervig ist.

Nun werden Dax und Bashir eingeführt… Und Bashir zeigt gleich, warum er schnell zum meist gehassten Charakter von DS9 werden würde: Seine diplomatischen Fähigkeiten, als er mit Kira spricht. Mal ehrlich, der Typ soll ein Arzt sein? Ich will nicht wissen, an welcher Hippie-Uni er studiert hat, um derartig aufgedreht und kindisch geblieben zu sein… Denn ich glaube kaum, dass die Starfleet Medical Academy oder irgendeine andere namhafte Uni solche Leute entlässt, die angeblich auch noch 2. ihres Jahrgangs waren.

Dann kommt Spock… Ehm, Dax. Eine weitere sinnlose Szene, gefolgt von einer recht coolen, aber leider oft rausgeschnittenen Stelle, an der Picard auf der Enterprise seinem ehemaligen Transporterchief die letzte Ehre erweist… Und wie die Enterprise schließlich abfliegt und DS9 damit endgültig als eigenständige Serie hinterlässt. Wer die Szene bislang nicht gesehen hat, sollte das nachholen, sie ist wirklich sehenswert.

Und nun wird Gul Dukat eingeführt: Endlich ein richtiger Antagonist bei Star Trek, der mehr Leben in sich trägt, als so mancher Hauptcharakter in Voyager... Und das schon in der ersten Folge. Was besonders beeindruckend ist, ist die Tatsache, dass man nach 7 Staffeln DS9 immer noch nicht sicher sagen kann, wo er genau steht: Ist er nun wirklich der Böse oder wurde er nur missverstanden und dadurch in den Wahnsinn getrieben? Aber wie gesagt, ich will die Folge ja nicht rückblickend bewerten, vielleicht kommen wir in einer späteren Folge mal dazu.

Der erste Teil von „Der Abgesandte“ endet schließlich mit der Vorstellung der Runabouts, einem vollkommen neuem Schiffstypen, der im Deutschen leider immer als Shuttle übersetzt wurde… Aber es ist ja nicht gerade so, als wäre die Übersetzung von DS9 je allzu gut gewesen (selbst wenn die Stimmen besser als im Original sind). Doch auf die Runabouts gehen wir dann beim nächsten Mal ein.

Zeit für ein erstes Fazit: Es ist schwierig, eine Bewertung ohne den zweiten Teil der Doppelfolge abzugeben, doch es reicht wohl zu sagen, dass es keinen anderen Piloten bei Star Trek gibt, der derartig gelungen ist. Damit nehme ich sicher nicht allzu viel vorweg. Es wird noch deutlich bessere DS9-Folgen geben, aber für einen ersten Anlauf: Ausgezeichnet. Doch dazu mehr im zweiten Teil.


Das Urheberrecht der Star Trek-Logos gehört Paramount Pictures bzw. CBS Television Studios. Die Bewertungsgrafiken wurden von Kuro erstellt. Ein besonderer Dank geht an Bastian Bringenberg für die Hilfe beim mod_rewrite.